Cecile Wesolowski

La Vie Liquide
Ausstellungsdauer: 02.06. – 15.07.2018


Handgeknüpfte Blumenbouquets aus goldenen Thermo-Rettungsdecken schmiegen sich an Wände und Boden, bewegte Projektionen treffen auf reflektierende Glasmosaike und werfen schillernden Facetten an alle Wände des Raumes. Dazu verschmelzen erlesene Reminiszenzen an eine weltweite Popkultur zu psychedelischen Videos. Renaissance trifft auf japanische Tradition, wird erweitert mit geologischen Phänomenen und angereichert mit einer Prise aktueller Politik. Schon sind die gewohnten Grenzen zwischen Kultur, Technik und Medium in diesen Arbeiten spielend gesprengt worden, ganz so wie es sich auf Planet POP gehört.

Willkommen in der multimedialen Welt der französischen Künstlerin Cécile Wesolowski. Eine Welt, in die der Betrachter eintauchen kann wie in ein fluktuierendes Plasma, konzentriert angereichert mit neuartigen Erfahrungen und überraschenden Assoziationen. In der heutigen Realität, in der weltweite Produktion, Information, Illusion und Virtualität, einer Flüssigkeit gleich, flexibel in die Leerstellen der Materialität einströmen und dabei scheinbar mühelos bisherige Unterscheidungen überwinden und die Wirklichkeit exponentiell erweitern; ist die Liquidität des Lebens längst nicht nur mehr nur in monetärer Hinsicht relevant und spürbar. Jean Baudrillard attestierte nicht ohne Grund in seinem letzten Buch: Die Realität, so wie sie im Laufe der letzten Jahrhunderte erfunden wurde und welche wir zum Prinzip erhoben haben, befindet sich auf dem Weg der Auflösung.*

Cécile Wesolowski reagiert auf diese neuen Strömungen der Lebensverhältnisse, indem sie die Phänomene dieses fluiden, digitalen Anthropozäns aus eigener Perspektive neu kombiniert, sie dabei überhöht und gleichzeitig hinterfragt. Diesem Verständnis folgend sind ihre immersiven Installationen im Ausstellungsraum Repräsentationen einer sich entgrenzenden Realität. Dabei müssen ihre Werke auch zwangsläufig zu Simulationen der gegenwärtigen gesellschaftlichen Simulation werden.

Mit viel Fantasie und Humor setzt sie dabei beispielsweise leere Likörflaschen, aufblasbares Badespielzeug oder mit Strass besetzte Accessoires verblüffend in Szene, so dass die vormals profanen Konsumobjekte plötzlich Glanz, Glamour und Wert suggerieren. Oder sie kombiniert taktile Materialien wie Glas, Kunststoff und gefaltetes Metall mit immateriellen Lichtspielen und Projektionen unterschiedlichster Art, mögen sie aus Scheinwerfern, LED Lichtquellen, Filmen oder digitale Animationen stammen. So schafft es die Künstlerin in aufklärerischer Manier die Illusion ihrer Inszenierungen ins Menschlich-Handgemachte und in die greifbare Materialität zurück zuführen und dem Betrachter damit die Ambivalenz unserer Schönen Neuen Welt erfahrbar werden zu lassen.

Cécile Wesolowski wurde 1982 in Croix, Frankreich geboren und ist unter anderem an der Kunsthochschule der Region Les hauts de France (ERSEP) und der Universität Venedig bei Giorgio Agamben ausgebildet worden. Sie nahm an zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland teil und lebt und arbeitet in Potsdam.

Stephan Klee

* Jean Baudrillard Die Intelligenz des Bösen, S. 13, Passagen Verlag Wien, 2006


Handmade bouquets of flowers from golden thermal rescue blankets cling to walls and floors, moving projections meet on reflective glass mosaics and throw dazzling facets on all walls of the room. Complementary fine reminiscences of global pop culture melt into psychedelic videos. Renaissance meets Japanese tradition, is expanded with geological phenomena and enriched with a pinch of current policy. Immediately the usual boundaries between culture, technology and media have been playfully blown up in these artworks, just like it should be on Planet POP.

Welcome to the multimedia-based world of French artist Cecile Wesolowski. An artistic world in which the viewer can immerse in a fluctuating plasma, concentrated enriched with new experiences and surprising associations. In today’s reality the worldwide production, information, illusion and virtuality work like a fluid, that flexibly inflows the spaces in between materiality and overcomes seemingly effortless previous distinctions and expands reality exponentially. Right now this liquidity of the life is not only palpable and relevant in monetary terms any more. Jean Baudrillard attested not without reason in his last book: The reality as it was invented in the course of the last centuries and which we have raised to the principle, it is on the way of the resolution.*

Cécile Wesolowski reacts to these new currents of living conditions by combining selected phenomena of this fluid, digital Anthropocene from her perspective in a new way, exaggerates them and at the same time, excessively questions them. Following this understanding her immersive installations in the exhibition space are representations of reality loosing its limits. Thereby her works also must inevitably lead to simulations of the current simulation in society.

With lots of imagination and humor, she, for example, sets empty liquor bottles, inflatable bath toys or rhinestone accessories amazingly in scene, so that the formerly profane consumer objects suddenly suggest gloss, glamour and value. Or she combines tactile materials such as glass, plastic and folded metal with intangible light plays and projections of various kinds, like from headlights, LED light sources, movies or digital animations. In doing so the artist succeeds to lead the illusion of her productions back into the human hand made and back into the tangible materiality in an enlightened manner. Therefore she gives the viewer the chance to experience the ambivalence of our Brave New World.

Cecile Wesolowski was born in 1982, in the Croix, France and was educated, among others, at the fine art school of the region of Les Hauts de France (ERSEP) and the University of Venice at the class of Giorgio Agamben. She participated in numerous solo and group exhibitions in Germany and abroad and lives and works in Potsdam.

Stephan Klee

* Jean Baudrillard The intelligence of the Evil, p. 13, Passagen Verlag, Vienna, 2006



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